Schullosung 2013: Gemeinsam auf den Weg machen, suchen und verändern
Andachten und Gottesdienste
Eine Andacht oder einen Gottesdienst zu gestalten, ist eine anspruchsvolle Aufgabe, zumal wenn die Absicht besteht, möglichst viele Schüler und Lehrer anzusprechen. Von Beginn an ergänzen und bereichern Schulandachten und Gottesdienste unser Schulleben. Zu hohen Kirchenfeiertagen und schulischen Höhepunkten (z.B. Einschulung und Abitur) bilden Gottesdienste den feierlichen Rahmen und bieten in Momenten eines aufregenden Neubeginns oder in emotionalen Abschiedssituationen einen Raum für Besinnlichkeit und Gelegenheit zum Gespräch mit oder Nachdenken über Gott. Daneben bürgerte sich das Ritual einer monatlichen Andacht ein.
Die Andachten sind mittlerweile zu einer Regelmäßigkeit in unserem Schulalltag geworden; sie werden normalerweise von einer Klasse oder einem Kurs, einer Lehrkraft und einem Religionslehrer vorbereitet. Nach den Erfahrungen der ersten Jahre entwickelte sich eine feste Liturgie für Schulandachten, die Vorbereitungshilfe ist, aber auch Identifikationsmöglichkeit für die Schulgemeinde schafft. Neben der Eingangsformel gehören ein Psalm, eine Predigt, ein Rollenspiel und ein Fürbittengebet mit anschließendem Vater Unser zum festen Bestandteil der Andachten und der Gottesdienste. Als Ort der Zusammenkünfte hat sich inzwischen die Klosterkirche etabliert, sowohl von der räumlichen Kapazität als auch von der Atmosphäre des Gebäudes ist das ehemalige Kloster ein geeigneter Andachtsort. Üblicherweise findet die Andacht zu Beginn eines Schultages statt, so entstehen ein Ruhepol zum Anfang des Tages und eine besondere Aufmerksamkeit für das Thema der Andacht.
Es geht darum, Sinn und Gemeinschaft zu stiften, etwas zu gestalten, das für die Zeit des Zusammenseins und eventuell darüber hinaus ein Gefühl von Andacht schaffen kann. Unsere Schulpfarrerin sagte einmal, eine Andacht bedeutet zweierlei: Erstens etwas andenken, d.h., in kurzer Zeit ein religiöses Thema zu umreißen, für die Gemeinschaft vorzubereiten - eben etwas thematisch an-denken (z.B. die Vorstellung einer anderen Religion). Zweitens steckt der Gedanke des Andächtigseins in der Absicht einer Andacht. Nicht immer kann dies gelingen, aber bei einigen Themen schafften es die Schüler ihr Erlebtes in eine Andacht umzusetzen, die die Schulgemeinschaft berührte (z.B. beim Thema Auschwitz). Ein weiterer Gedanke drängt sich zur Frage auf, was eigentlich eine Andacht sein soll. An(jemanden)-(ge)dacht, für andere da sein, ist sicherlich auch ein unverzichtbarer Teil einer Andacht oder eines Gottesdienstes. Themenunabhängig bietet jedes Fürbittengebet immer die Gelegenheit auch an andere zu denken, die benachteiligt sind, die nicht so viel Glück hatten. Schüler beten nicht nur für die Schulgemeinschaft, sie haben ein Empfinden für Ungerechtigkeit und Traurigkeit im Leben anderer.
Zahlreiche Absprachen und Überlegungen, Kompromissbereitschaft, aber auch Zeit und Disziplin sind erforderlich, um eine gelungene Andacht mit einer Klasse oder Kursgruppe vorzubereiten. Deshalb kann man Andachts- und Gottesdienstvorbereitungen auch zum Bestandteil des sozialen, aber auch des religiösen Lernens zählen. Das Suchen und Erleben religiöser Identität in Andachten und Gottesdiensten gehört mit zum Prozess der Selbstfindung im Leben von Schülern und Lehrern unserer Schule.
Dana Engel
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