Evangelische Schule Neuruppin

Fr, 24.05.13

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Schullosung 2013: Gemeinsam auf den Weg machen, suchen und verändern
Marseille

Marseille

 

                                                                

 

 

 EINLEITUNG

 

Die mehr als zweieinhalb Jahrtausende andauernde Geschichte Marseilles hat ihre Spuren in vielerlei Hinsicht in der ältesten Stadt Frankreichs hinterlassen. Das macht Marseille für mich interessant und hat mir den Ansporn gegeben mehr darüber hinauszufinden.

Wer erwartet, auf den nächsten Seiten einen Touristenführer zu finden, der wird enttäuscht werden und sollte besser gleich in den Baedeker schauen, denn der ist dafür besser geeignet. Ziel der folgenden Ausführungen ist es, die Lage Marseilles und anschließend die Stadtentwicklung näher zu erläutern.

Marseille hat, wie viele andere Großstädte auch, aufgrund seiner diesbezüglichen Dimensionen gewisse Probleme, wie zum Beispiel den Verkehr, da eine so alte Stadt kaum für das Verkehrsaufkommen der heutigen Zeit geschaffen sein kann. Aber auch andere Punkte geben Anlaß zur Sorge, vor allem die wirtschaftliche Situation Marseilles, die wenig rosig aussieht. Die daraus resultierende hohe Arbeitslosenzahl ist momentan das schwerwiegendste Desaster, das die Stadt in den Griff zu bekommen hat.

 

 

1 Lage

 

Mit Marseille,  östlich  des  Mündungsdeltas  der  Rhone gelegen, verfügten     die    Phokäer    über   einen  geschützten, relativ gut zu verteidigenden Hafenplatz in  Beckenlage.   Der  Bucht  im Golfe  du Lion, im Norden  durch das  Kap  Méjean und im Süden durch das Kap Croisette  eingerahmt,  sind  die Inseln Ratonneau,  Pomègues und  d’If vorgelagert.  Das  Becken  wird durch Ketten  von Kalkbergen  gegen  das  Hinterland abgeschirmt. Die Chaîne de l’Estaque im Nordwesten (300 m)  riegelt Marseille gegen das Etang  de  Berre  ab  und  schützt  es  vor  dem  Mistral.  Aufgrund seiner     Küstenlage,   der  Großraum    Marseille     besitzt    eine Küstenlinie   von  57 km,  ist   man  zur    Seeseite  starken   Böen ausgesetzt. So hat Marseille im jährlichen Durchschnitt an 104 Tagen mit starkem Wind zu rechnen. Im Norden und Nordosten bildet die Chaîne de l’Etoile (730 m) die Barriere zum Hinterland, die Chaîne de Saint Cyr (610 m) im Südosten  und die Montagne de Marseilleveyre (432 m) im Süden. Der Berggürtel um Marseille besitzt lediglich an zwei Stellen, im Norden und im Osten, einen relativ einfachen Durchlaß zum Hinterland. Durch diese beiden Zugänge zum Marseiller Becken laufen die Hauptverkehrswege und Eisenbahntrassen.

Das Becken von Marseille ist ein felsig, hügeliges Gelände, das von steil aufragenden Felsrücken mit bis zu 160 m Höhe durchsetzt ist. Das Gelände steigt vom Meer her allmählich bis auf etwa 200 m an und geht dann steil in die das Becken umrahmenden Bergketten über. Die Stadt, deren Ausdehnung von Norden nach Süden 18 km und von Westen nach Osten 16 km beträgt, umfaßt eine Fläche von knapp 30.000 ha, von denen etwa 13.200 ha an Hängen mit Steigungen von  über 15% liegen.

 

 

 

 

 

2 Stadtentwicklung

 

Die Phokäer gründeten ihre Handelsniederlassung im Bereich des Hügels Saint Laurent, nördlich des alten Hafens. Bis zu Beginn des 11. Jahrhunderts dehnte sich die Stadt nur unwesentlich weiter aus, umfaßte nun aber auch die Gebiete um den Mühlen- und Carmes-Hügel. Um das mühsame Be- und Entladen direkt am Strand zu

beenden,   beginnt   man   1520,   den   alten   Marseiller   Hafen „Lacydon“   auszubauen.   Bis    zum  17. Jahrhundert  entwickelt sich   die   Stadt,   ähnlich   einem  Amphitheater, ausschließlich um  den  alten  Hafen  herum.  Mit  Beginn  des 18. Jahrhunderts wächst  die  Stadt  über  die  Stadtmauern  hinaus.  Entlang  der Ausfallstraßen  entstehen  kleinere  Vororte. Bis zur Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert beschränkt sich Marseille vorzugsweise auf  einen  Halbkreis   mit   einem  Radius  von  etwa  einem Kilometer, dessen Zentrum der alte Hafen bildet. In diesem Bereich befindet sich die Altstadt, deren Erscheinungsbild durch enge, verwinkelte, teilweise nur über Treppen miteinander verbundene, Straßen und kleine Plätze geprägt wird. Da die Altstadt, ausgehend vom Hügel Saint Laurent, auf sehr unebenem Gelände errichtet wurde, wird das Straßenbild dementsprechend von mehr oder weniger starken Neigungen geprägt, die zumeist durch die schon angesprochenen Treppen überbrückt werden. Die Altstadt ist von prächtigen Boulevards mit architektonisch ansprechenden Häusern im Stil des 19. Jahrhunderts umgeben.

Die „moderne“ Stadtentwicklung setzte zwischen 1830 und 1840 ein und richtet sich hauptsächlich nach Süden und in östlicher Richtung. Sie folgt den Hauptachsen entlang der Boulevards Lonchamp und Baille, der Avenue du Prado und dem Boulevard Vauban. All dies befindet sich heute im eigentlichen Zentrum der Stadt, das den alten Hafen bis zu einer Entfernung von drei Kilometern umschließt. Nach dem Ausbau des neuen Hafens „La Joliette“ in den frühen vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts, verband man diesen mit dem alten Hafen durch die Rue de la Republique, einer breiten, schnurgeraden Magistrale von ziemlich genau einem Kilometer Länge. 

Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts erlebt Marseille durch seine zentrale Bedeutung im französischen Welthandel ein starkes Wachstum der Industrie, was vor allem auf die imperialistischen Ambitionen des Landes zurückzuführen ist. Vor allem die verarbeitende Industrie erlebt, basierend auf den stetigen Rohstoffzustrom aus den Kolonien und überseeischen Provinzen, einen wahren Boom. Betriebe, wie Zuckerraffinerien und Eisenhütten schießen wie Pilze aus dem Boden, was die Bodenpreise in ungeahnte Höhen steigen läßt.

Ab dem Jahre 1870 hört die Bautätigkeit weitgehend auf und der eigentliche Stadtkern wird für längere Zeit nicht wesentlich verändert. Nur die Rue Paradise und andere kleinere, vom alten Hafen nach Norden führende Straßen werden verändert. In diesem Gebiet setzt die Bebauung mit einfachen Einzel- und Mietwohnhäusern für Arbeiter erst mit der Jahrhundertwende wieder ein. Nun werden auch allmählich die Baulücken zu den ländlichen Vororten geschlossen, was durch die elektrische Straßenbahn unterstützt wird, da die Stadt ein rapides Wachstum entlang der Hauptverkehrswege erlebt. Neben dem weiteren Ausbau der Straßen, wurde 1870 die Eisenbahn eingeweiht, die zur damaligen Zeit die Stadt in einem Bogen im Osten umfaßte – heute führt diese Verbindung mitten durch die Stadt. Die Besiedlung erfolgt wiederum weitgehend ungeplant und ist dementsprechend uneinheitlich, was sich in der Art bis in die Mitte der dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts fortsetzt.

Die Zeit von 1956 bis 1961 beschert der Stadt den Höhepunkt in der Bauentwicklung und der Grundstücksspekulation. Beide sind eng mit Zunahme der städtischen Bevölkerung verbunden, vor allem durch aus Algerien zurückkehrende Franzosen und den damit verbundenen zurückfließenden Vermögenswerten. Aber auch die Anlage von Marseiller Kapital in Immobilien und die jährlich ansteigenden Touristenströme sind ausschlaggebend für den einsetzenden Bauboom, an dem sich auch die Stadtverwaltung mit der Schaffung von Sozialbauwohnungen gehobeneren Anspruchs beteiligt. In diesem Zeitraum wurden nicht ganz 40.000 Wohnungen errichtet, davon etwa 50% in den Außenbezirken; 85% bis 90% liegen in einem Bereich von bis zu fünf Kilometern Entfernung zum alten Hafen, wovon wiederum 20% als Luxuswohnungen zu bezeichnen sind.

Trotz einer gewissen Planung ist das bauen in den Vorortgebieten immer noch etwas wirr. In den 60er und 70er Jahren wird durch die Schaffung der Z.U.P (Zone d’Urbanisation prioritäre) und der Z.A.C. (Zone d’Aménagement concerté) eine Strukturierung in die Stadtplanung gesetzt, indem Prioritäten bezüglich Verstädterung und Wirtschaft in Hinblick auf die städtebauliche Akzentuierung gesetzt werden.

 

3 Strukturelle Faktoren

 

3.1  Verkehr

 

Alle   großen   Verkehrsachsen   in  Marseille   sind   auf   das   Zentrum beziehungsweise  den   alten  Hafen   ausgerichtet  (Abb.3).  Wichtigste Hauptverkehrsadern  sind  die sich  im rechten  Winkel kreuzenden, von Nordnordwest  nach   Südsüdost   verlaufenden und   jeweils  ineinander übergehenden   Straßenzüge,   angefangen   bei   der   Rue   d‘Aix   bis einschließlich  des   Prado   einerseits   und   die  von  Ostnordost  nach

Westsüdwest  auf   den  alten  Hafen   zulaufende   Canebière  mit  ihrer Verlängerung   über   den   Boulevard   de   la   Libération   andererseits. Verläßt   man   das  Zentrum,   weisen   die   Straßen   keine  geradlinige Führung mehr auf, sondern folgen den alten ländlichen Wegen, die in die Vororte oder ehemaligen Dörfer führten. Die Innenstadt von Marseille bietet wenig Raum, um das bei einer Millionenstadt anfallende Verkehrsaufkommen effektiv bewältigen zu können. In dem Faktum, diesem Dilemma nicht im entscheidenden Maße Herr werden zu können, liegt eines der größten Probleme der südfranzösischen Hafenstadt. Vor allem in den ältesten Vierteln Marseilles, in den Bezirken Hôtel de Ville und Les Grands Carmes, sowie in den nördlichen und südlichen Nebenstraßen der Canebière sind die Straßen so eng, daß man Mühe hat, nicht gegen Häuserwände oder parkende Autos zu fahren. In diesem Innenstadtbereich kann das Verkehrsproblem nicht durch Schaffung oberirdischer Straßen, vor allem Entlastungsstraßen, gelöst werden. So hat man den alten Hafen untertunnelt, um in der Innenstadt den Nordsüdverkehr zu erleichtern.

Des weiteren wurden drei Autobahnen gebaut, die in der Innenstadt enden. Zwei der Autobahnen wurden zwar durch eine periphere Entlastungsschnellstraße indirekt miteinander verbunden, die vom Hafen aus gesehen in etwa zwei Kilometer Entfernung um die Innenstadt gelegt wurde. Diese tragen aber nur wenig zur Lösung des innerstädtischen Verkehrsproblems bei.

Der nächste Schritt war der Versuch, durch ein gut ausgebautes Netz von Motor- und Oberleitungsbussen (insgesamt 79 Linien) und zwei U-Bahnlinien von jeweils neun Kilometern Länge, den privaten Autoverkehr auf die öffentlichen Verkehrsmittel umzulenken. Insgesamt verfügen alle städtischen Verkehrslinien über ein Streckennetz von 720 Kilometern auf dem jährlich etwa 100 Millionen Personen befördert werden. Da in der Innenstadt jedoch noch Parkplätze im Bereich des alten Hafens und vor allem riesige mehrstöckige Tiefgaragen vorhanden sind, besteht trotz hoher Parkgebühren immer noch der Anreiz, das Auto im Innenstadtbereich zu nutzen, womit natürlich sämtliche Versuche dies einzuschränken, untergraben und sabotiert werden. Ausschlaggebend dafür ist allerdings auch die große Zahl von Pendlern (knapp 400.000 täglich), die jeden Tag in die Stadt kommen, um ihrer Arbeit nachzugehen. Innenstadt konfrontiert.

Eine praktikable Lösung für dieses Dilemma scheint vorerst noch nicht in Sicht zu sein, obwohl momentan modernere öffentliche Verkehrsmittel und bessere Verkehrswege geschaffen werden.

Durch die Beckenlage Marseilles ist der Waren- und Personentransport in die Stadt hinein und aus ihr heraus nicht gerade als ideal zu bezeichnen. Die Möglichkeiten, Marseille zu erreichen, beschränken sich alles in allem auf drei. Die größte Warenmenge erreicht Marseille über seinen Hafen, der zu den größten Frankreichs zählt und einen enormen Warenumschlag hat. Des weiteren verbleiben Marseille die beiden Schneisen in seiner Bergumrahmung, um eine Verbindung mit dem Hinterland zu bekommen. Durch beide laufen sämtlichen Schienen und großen Straßenverbindungen. Durch die breitere Öffnung im Norden, zwischen der Chaîne de l’Estaque und der Chaîne de l’Etoile, verlaufen zwei Autobahnen (A 51 und A 55), wobei die A 55 noch relativ neu ist, in Richtung Etang de Berre und nach Aix en Provence. Durch die begrenzten Zugänge, ist das Personen- und Warenaufkommen auf diesen Strecken besonders hoch. Allein die französische Staatsbahn (SNCF) befördert in Marseille (Ein- und Ausfahrten) jährlich etwa zwei Millionen Menschen und weist einen Warenumschlag von knapp drei Millionen Tonnen auf. Mit dem 20 km entfernten Flughafen „Marignane“ am Etang de Berre ist Marseille durch Bahn und Autobahn verbunden.

 

  

3.2 Wirtschaft

 

Marseilles Wohlstand ist bis weit in das 20. Jahrhundert eng mit dem Seehandel verknüpft, mit dem Schwerpunkt Handel, Lagerung, Weiterverarbeitung, Verkauf und Export.

Zum Ende des 17. Jahrhunderts hin erhält Marseille das Handelsmonopol mit der Levante. Vor allem der Import von Gewürzen, Wolle, Kaffee, Zucker und Getreide und deren Weiterverarbeitung prägen das Wachstum der Industrie. Besonders die verarbeitende Industrie wie Zuckerraffinerien, Gerbereien und Getreidemühlen, die sich im Bereich des Hafens ansiedelte, erlebte einen Aufschwung, da mit der exklusiven Stellung Marseilles im Seehandel ein stetiger Zustrom von verschiedensten Gütern garantiert war.

Im 18. Jahrhundert erreichte die wirtschaftliche Entwicklung, die Vermögensbildung und der allgemeine Wohlstand der Stadt einen Höhepunkt, der sich bis zum Ende folgenden Jahrhunderts durch den Handel mit den französischen Kolonien fortsetzte. Durch die Einfuhr von Erzen wie Eisen, Bauxit und anderen Rohstoffen, wie beispielsweise Tabak und Holz, kommt es zur Ausbildung weiterer Industriezweige wie Eisen- und Aluminiumhütten, sowie chemischer Industrie, Schiffsbau, mechanische- und elektrotechnische Industrie. All diese Industriezweige waren weitgehend von der Weiterverarbeitung von Kolonialprodukten und deren Verkauf abhängig.

Ab der Mitte der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts, bedingt durch das Ende der französischen Kolonialperiode, nahm die Bedeutung der Marseiller Industrie immer weiter ab. Durch das Ausbleiben wichtiger Rohstofflieferungen und das Verschwinden wichtiger Absatzmärkte gerieten die darauf angewiesenen Industriezweige in eine schwere Krise.

Von diesem Schlag, den Marseille durch den Wegbruch seiner angestammten Industriezweige erlitten hatte, erholte es sich bis zum heutigen Tage nicht richtig. Im Zusammenhang mit der starken Bevölkerungszunahme, die die Stadt bis 1975 erlebte, dem damit verbundenen Bauboom und durch einen steigenden Warenumschlag im Hafen, erlebte die Wirtschaft noch einmal einen Aufschwung, den man rückblickend allerdings als künstlich bezeichnen muß. Da er zu sehr auf die o.g. Faktoren zugeschnitten war, wie zum Beispiel die Bauindustrie, konnte er nicht zu einem dauerhaften Aufwärtstrend in der Industrie führen und starb mit dem Verschwinden der Begünstigungsfaktoren ab.

Heute sind die erwähnten Industrien, abgesehen von kleineren Unternehmen wie in der Seifenherstellung, weitgehend verschwunden. Ihre Produktionsgelände liegen brach oder sind Bauland geworden.

Da Marseille Jahrhunderte lang nur auf die überseeischen Gebiete ausgerichtet war und seine Verbindungen und Beziehungen zu seinem Hinterland, vor allem zu den europäischen Nachbarstaaten vernachlässigte, wurde der Anschluß an die industrielle Entwicklung, besonders Nordeuropas und der EG, regelrecht verschlafen. Da sich solche Beziehungen über einen langen Zeitraum entwickeln müssen, steht Marseille in Anbetracht der Situation in den nächsten Jahren keine großartige Verbesserung der Situation bevor.

Fakt ist, dass das industrielle Schicksal Marseilles besiegelt zu sein scheint. Die Umschlagtonnage im Hafen von Marseille hat stagniert und ist zurückgegangen. Die Arbeitslosenzahl stieg im Laufe der letzten Jahre weiter an, die Steuereinnahmen der Stadt gingen zurück. Die wirtschaftliche Entwicklung Marseilles war stets ein Ausdruck der Bevölkerungsentwicklung. Die Einwohnerzahlen der Stadt sind rückläufig. Mit dem Verlust seiner wirtschaftlichen Bedeutung ist auch der Einfluß der Stadt im Großraum Marseille zurückgegangen. Man versucht als Ausgleich den Dienstleistungssektor auszubauen und den Tourismus zu fördern.

 

SCHLUSSBETRACHTUNG

 

Das einst stolze Marseille, das durch seine wirtschaftliche Stärke der Kern des französischen Außenhandels war und sich durch sein geschäftiges Treiben auszeichnete, glänzt schon lange nicht mehr. Alles was von diesem Ruhm übrig blieb, ist die herrliche Architektur dieser schönen, von Wasser und Gebirgen eingerahmten Stadt am Golf du Lion. Das Bild des heutigen Marseilles wird vor allem durch die „überwachsenen Ruinen“ der traditionellen Industrie geprägt und den schweren Folgen dieses Niedergangs, die sich vor allem in der Arbeitslosenquote widerspiegeln.

Marseille als ganzes ist bestimmt keine Schönheit und hat mit den typischen Problemen einer Großstadt zu kämpfen, wie zum Beispiel der Verkehr. Doch wenn man hinter die Fassaden schaut, in die Hinterhöfe verschiedener Aspekte einen Blick wirft, dann wird man ein ganz anderes Marseille entdecken. Was man dort findet ist touristisch kaum brauchbar. Vielmehr sind es kleine Bausteine, die helfen, das ganze Gefüge Marseille zu verstehen uns auch lieben zu lernen, auch wenn es auf den ersten Blick abstoßend wirkt. Man entdeckt die Zusammenhänge der verschiedenen Strukturen, man sieht die Details, die diese Stadt so interessant machen.

Marseille wird aber wohl nie wieder zu der industriellen Größe gelangen, die es einst besaß, zumindest nicht in absehbarer Zeit.

Die Zukunft Marseilles liegt auf anderen Gebieten: Forschung, Kultur und Bildung. Diese Zukunft wird langsam in Angriff genommen, doch es ist ein schwerer Schritt und braucht seine Zeit. Es ist nicht einfach, von seinen alten Idealen und Vorstellungen abzugehen, aber eine andere Möglichkeit scheint der Stadt nicht zu bleiben. Doch mit der Zähigkeit, die diese Stadt der Geschichte getrotzt hat, Kriege und Pest überlebt hat, so wird sie mit Sicherheit auch dieses Problem bewältigen.

 

Anhang

 

 

Täglicher Pendelverkehr von und nach Marseille:

 

Die Arbeitssituation in Marseille hat zur Folge, daß täglich eine Großzahl von Pendlern die Hauptverkehrsachsen belasten. Somit kommt es zu den Stoßzeiten zu einem regelrechten Chaos auf den Ein- und Ausfallstraßen. Der Hauptteil der knapp 400.000 Pendler strebt in die verschiedenen Industriezentren im Norden der Stadt um das Etang de Berre oder in das Becken von Aix. Ein weiterer Schwerpunkt liegt im ostwärts gelegenen Becken von Aubagne. Man darf keinesfalls davon ausgehen, daß es sich bei diesen Zahlen um Arbeiter handelt, die in Marseille selbst einer geregelten Arbeit nachgehen, vielmehr sind es hauptsächlich jene Menschen, die ihren Arbeitsplatz außerhalb Marseilles liegen haben. Anhand der Entfernungen zu den einzelnen Gebieten, läßt sich die schlechte Arbeitsplatzsituation der südfranzösischen Hafenstadt gut erkennen.

 

Entwicklung des Hafenumschlages von Marseille:

 

Die Grafik zeigt die Entwicklung des Hafenumschlages seit der 30er Jahre. Der mit dem Zweiten Weltkrieg einsetzende Rückgang, kann erst mit Beginn der 50er Jahre kompensiert werden. Ab diesem Zeitpunkt erlebt Marseille einen anhaltenden Aufwärtstrend, der erst Mitte der 80er zu stagnieren beginnt, als die neuen Hafenanlagen am Etang de Berre wirtschaftsrelevant wurden. Die letzten drei Säulen zeigen den Umschlag von Marseille und Fos-Lavera zusammen, was eine rückläufige Tendenz im eigentlichen Marseiller Hafen erkennen läßt. Es bleibt abzuwarten, wie sich der weitere Verkauf gestaltet und ob ein weiterer wichtiger Arbeitgeber in Marseille damit bedroht ist.

 

Bevölkerungsentwicklung Marseilles seit 1520:

 

Die stetig ansteigende Bevölkerung Marseilles erlebte 1720-21 einen schweren Einbruch, als die Pest fast ein Drittel der gesamten Bevölkerung dahinraffte. Erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts, mit der großflächig einsetzenden Industrialisierung, erhielt die Stadt einen gewaltigen Bevölkerungsschub durch Zuwanderer und höherer Geburtenraten im Verhältnis zu den Sterbefällen, woran vor allem die Medizin und die sanitären Verbesserungen einen großen Anteil hatten. Zur Zeit des Zweiten Weltkrieges erlebte Marseille noch einmal eine Flaute, kam aber mit seinem Ende erneut zu einem rapiden Bevölkerungswachstum. Mit Beginn der wirtschaftlichen Krise und ihren Auswirkungen in der Mitte der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts, verlor die Stadt stetig ihre Einwohner, die auf der Suche nach Arbeit abwanderten und sich im Umland ansiedelten. Der Abwärtstrend hält noch immer an und es ist momentan kein Ausweg zu erkennen, diesen zu stoppen, da benötigte Arbeitsplätze nicht zur Verfügung stehen.

 

 

 

                                              

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Letzte redaktionelle Aktualisierung 20.07.2008