Evangelische Schule Neuruppin

Sa, 18.05.13

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Schullosung 2013: Gemeinsam auf den Weg machen, suchen und verändern
Griechenland

 

Griechenland

 

 

 

1. Einleitung

Wenn man von Griechenland hört, denkt man sofort an Sonne, die weiß-blaue Inselwelt der Ägäis, die einzigartige Landschaft. Aber auch an die Kunst und Wissenschaft, an Sagen Mythen, Tempel, Götter und natürlich auch an den Ursprung der olympischen Idee.

Auch ich fuhr mit diesem Bild von Griechenland im Kopf aus dem Urlaub wieder nach Hause. Als Tourist bekommt man selten einen Einblick in die wirtschaftliche uns soziale Lage des Landes in dem man Urlaub macht. Es ist für mich als ehemalige Griechenlandtouristin sehr interessant gewesen hinter die Fassade zu sehen und mein Bild von Griechenland als sonnigen Urlaubsort zu verändern.

Deshalb möchte ich mich in der folgenden Belegarbeit mit der Wirtschaft Griechenlands beschäftigen.

 

 

Die bis 1989 amtierende Kulturministerin und ehemalige Schauspielerin Melina Mercouri (1925-1994) schrieb in ihrer Autobiografie:

„Als Grieche oder Griechin geboren zu sein ist ein erhabener Fluch. Für erstaunlich viele Leute heißt dies offenbar, dass man persönlich die Akropolis gebaut, Delphi gegründet, das Theater erschaffen und den Begriff der Demokratie erfunden hat. In Wirklichkeit aber bedeutet es, dass man arm ist, eine Menge Landsleute hat, die weder schreiben noch lesen können, und dass einem das bisschen Demokratie und Unabhängigkeit, die man in seltenen Augenblicken genießen durfte, alsbald von fremden Schutzmächten und ihren griechischen Handlangern wieder weggeschnappt wurde.“

                                                                                  (Quelle: www.wissen.de    Zeile 10-15)

 

 

2. Griechenland allgemein

Griechenland liegt in Südosteuropa und grenzt an die Länder Albanien, Makedonien, Bulgarien, die Türkei und wird im Osten durch das Ägäische Meer und im Süden und Westen durch das Mittelmeer abgegrenzt.

Im Gradnetz liegt Griechenland zwischen 34˚48´ und 41˚45´ nördlicher Breite und zwischen 19˚23´und 29˚39´östlicher Länge.

Es hat eine Gesamtfläche von 131.957 kmund wird von 10.591.000 Menschen bewohnt, von denen 772.072 in der Hauptstadt Athen leben.

Griechenland wird in 13 Regionen (Nordgriechenland, Thessalien, Makedonien, Thrakien Mittelgriechenland, Euböa, Böotien, Phokis, Kokris, Ätolien, Südgriechenland, Kreta und die ägäischen Inseln) und in die Mönchsrepublik Athos aufgeteilt.

Wichtige Merkmale der griechischen Landschaft sind die hohen Gebirge, die Küstengliederung mit den langen Buchten und Landzungen sowie die vor dem Festland liegenden Inselgruppen.

In Griechenland herrscht ein mediterranes Klima, das mit zunehmender Entfernung zum Meer immer mehr unter kontinentalem Einfluss steht. Merkmale des mediterranen Klimas sind trockene und heiße Sommer und milde regenreiche Winter.

Auf dieses Klima stellt sich auch die Pflanzenwelt ein. Besonders Baum- und Strauchkulturen treten auf, Grünland dagegen ist vollständig zurückgetreten.

 

     3. Griechenlands Wirtschaft

 

3.1    Entwicklung der Wirtschaft

 

Griechenland war früher die Brücke zwischen Europa, Asien und Afrika, denn es lag günstig im östlichen Mittelmeer, dem Zentrum der Antike. Und wurde so zum Mittler der Kulturströme des Orients.

Schon damals wurden die wirtschaftlichen Strukturen des Landes durch die osmanische Zeit geprägt.

Schon im 17. Jahrhundert spielte Griechenland im Handel des osmanischen Reiches eine wichtige Rolle.

Die deviseneinbringende Schifffahrt hatte eine wichtige Rolle, denn ausländische Mächte bevorzugten die griechischen Händler und Besitzer eines Schiffes und stellten sie in ihren Dienst. Viele Griechen hatten sich, durch die jeweiligen Staaten begünstigt, niedergelassen und wurden so zu Vermittlern von Waren und Dienstleistungen. Die Staaten versprachen sich dadurch eine Erschließung zum Osmanischen Reich.

Schon hier zeigt sich, dass die griechischen Händler nicht unbedingt danach strebten unabhängig zu sein, denn sie hatten sichere Einnahmen und wurden unterstützt.

Ein Merkmal, das auch heute noch in der griechischen Wirtschaft prägend ist.

In der Zeit der Zugehörigkeit zum Osmanischen Reich war die Abhängigkeit Griechenlands schon merkbar, aber mit der Unabhängigkeit ab 1829 verringerte sie sich nicht, sondern verstärkte sich sogar.

So wurde schon damals der Grundstein für die Unselbstständigkeit Griechenlands in wirtschaftlicher Entwicklung gelegt. Es wurde nicht auf innerstaatliche Kapitalbildung geachtet, weil das benötigte Geld zur Staatsführung immer von außen kam und so immer Hilfe da war.

Auch wurde die freiheitliche Wirtschaftsführung durch außen gestärkt, denn nach dem zweiten Weltkrieg hatten England und die USA einen starken Einfluss auf Griechenland und so konnte sich das liberale Wirtschaftssystem wieder durchsetzen.

Seit Mitte der 70er Jahre geht die Wirtschaft Griechenlands stetig bergab. Daran hat auch der Eintritt in die EU nichts geändert.

Trotzdem haben sich die Infrastrukturen in den letzten beiden Jahrzehnten deutlich verbessert, Straßen, Stromnetze und die Wasserversorgung wurden erweitert.

Außerdem ist ein wachsender Wohlstand der Bevölkerung unverkennbar. Das Angebot in den Läden ist reichhaltiger, es gibt eine bessere Wohnraumversorgung und Konsumgüter wie Autos, Fernseher und Haushaltsgeräte sind billiger geworden. Die Preise gleichen sich immer mehr dem europäischen Standard an.

Das betrifft vor allem die mittleren und niedrigeren Schichten, denn Konsumgüter sind zwar günstiger, aber im gleichen Zuge wurden Dinge wie Fleisch, Brot, Heizöl oder Benzin teurer.

Griechenland ist immer noch im Wachstum und entwickelt sich nur sehr langsam.

 

 

3.2   Die Makrosektoren und ihre Probleme

 

In den ersten Jahrzehnten nach der Unabhängigkeit spielte die Landwirtschaft in Griechenland eine große Rolle.

Je nach Schätzung lebten ungefähr 62 % bis 90 % der Einheimischen von der Landwirtschaft. Erstaunlich ist auch, dass in England bereits 1846 nur noch ein Fünftel der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft arbeiteten, während es in Griechenland 1981 knapp ein Drittel waren.

Sogar heute noch arbeiten ca. 18 % der Erwerbstätigen im primären Sektor.

Im EU-Durchschnitt sind es lediglich 4,5 %.

Die Form der Landwirtschaft unterscheidet sich jedoch wesentlich von den mittel- und westeuropäischen. Faktoren dafür sind das Klima, die Verbrauchsgewohnheiten der Bevölkerung und andere in der besonderen historischen Entwicklung entstandene Faktoren. Nicht nur die Produkte, sondern auch für die Technik der Bewirtschaftung und die Organisation.

Etwa zwei Drittel der landwirtschaftlichen Produkte machen Feld- und Baumfrüchte aus,  ca. ein Drittel Viehprodukte.

Außerdem ist die griechische Agrarlandschaft durch die „klassische Dreiheit“ gekennzeichnet. Dabei handelt es sich um Getreide, Ölbaum und Wein. Pflanzen, die schon in der Antike angebaut wurden.

In der Viehwirtschaft ist oft nur Schaf- und Ziegenhaltung möglich, denn auf den kargen Bergweiden gibt es nur wenig Graswuchs.

Die Agrarprodukte machen einen großen Teil des Gesamtexportes (35 %) aus und somit ist die Landwirtschaft sehr wichtig für Griechenland.

 

In Griechenland sind im primären Sektor, sowie im sekundären und tertiären, Kleinbetriebe häufiger vertreten als große private Unternehmen.

Die Hälfte der arbeitenden Bevölkerung ist selbstständig. Es kommen 174 Geschäfte auf 1000 Einwohner. Der EU-Durchschnitt liegt bei 98 auf 1000 Einwohner.

Größtenteils fließen die Einnahmen in die eigene Hosentasche, vorbei an der Registrierkasse. Den Griechen ist es wichtiger die Familie über die Runden zu bringen. Hier aber fehlt der Gedanke an Investitionen. Die Betriebe bleiben klein und mit höchstens zwei Angestellten liegt Griechenland wieder einmal unter dem EU-Durchschnitt.

Einen Vorteil haben diese kleinen Betriebsgrößen jedoch, denn in anderen europäischen Ländern nimmt der Staat z.B. durch Preisfestlegungen Einfluss auf die landwirtschaftliche Entwicklung.

Die Industrie hat in Griechenland nie eine bedeutende Rolle eingenommen.

Im sekundären Sektor sind heute lediglich 20 % der Erwerbstätigen beschäftigt. Und die Industrie trägt 23 % zum Bruttoinlandsprodukt bei (siehe Diagramm 2).

Das BIP (Bruttoinlandsprodukt) ist ein zusammenfassendes Maß für den Wert der wirtschaftlichen Leistung die aus der Produktionstätigkeit im Inland in der Berichtsperiode resultiert.

Die Industrie ist vor allem in den verarbeitenden Gewerben vertreten. Dazu gehören die Bereiche Nahrungs- und Genussmittel, Schuhe, Textilien, die Metallverarbeitung und der Schiffbau.

Die Textilverarbeitung spielt hier eine der wichtigsten Rollen.

Der Grund für die sich schlecht entwickelnde Industrialisierung liegt in der Struktur derselben, die Defizite aufweist.

Nicht wie in anderen europäischen Ländern sind die einzelnen Industriezweige und Produktionsverläufe miteinander verbunden.

Wenn man zum Beispiel die Textilindustrie betrachtet, sieht man, dass die einzelnen Abläufe einer Produktion  nicht in Griechenland stattfinden.

Die Stoffe werden von ausländischen Auftraggebern geschickt, werden dann in Griechenland zum Endprodukt gefertigt und anschließend wieder zurückgeschickt.

Es findet keine Produktion von Stoffen statt, es werden keine Modelle entwickelt und auch die Vermarktung findet nicht in Griechenland statt.

Außerdem überwiegenbillige un- und angelernte Arbeitskräfte.

Somit ist auch die wirtschaftliche Weiterentwicklung eines Produktes innerhalb eines Betriebes nicht möglich.

Es werden keine Erfahrungen gesammelt, da schon kein Grundwissen der Wirtschaftsführung im produzierenden Sektor vorhanden ist. Griechenland hätte auch finanzielle Probleme zu lösen, wenn es darum ginge die Defizite zu bereinigen, denn Fachkräfte sind sehr teuer sowie technische Hilfsmittel, die nicht vorhanden sind. So bleibt auch hier die gewohnte Abhängigkeit zum Ausland bestehen.

 

Viele Politiker versuchten Griechenlands finanzielle Lage zu stabilisieren, wie zum Beispiel Andreas Papandréou, der Führer der sozialistischen Partei PASOK.

Papandréou scheiterte jedoch an den Finanzproblemen als er versuchte die Ausgaben im öffentlichen Sektor zu senken und das Handelsbilanzdefizit zu verringern. Sein Nachfolger Konstantin Mitsotakis konnte sich nur eine Legislaturperiode halten. Es sind aber nicht immer die unerfüllbaren Aufgaben, die die Politiker stellen, sondern oft auch die Mentalität der Griechen, die es nicht zulassen wenn Themen, wie zum Beispiel Schwarzarbeit, ihre Routine stören. Ebenso schnell wie die Politiker abgewählt werden, werden auch die Probleme vergessen.

Aber in der Amtszeit Papandréous erhielt die Wirtschaft einen bedeutenden Stellenwert, den sie bis heute behalten hat.

 

Die Bodenschätze in Griechenland wie z. B. Braunkohle, Bauxit zur Aluminiumherstellung, Eisenerze, Mangan, Magnesit und Marmor sind zwar zahlreich vorhanden, aber sie sind nicht sehr ergiebig.

Außerdem stellt auch das Fehlen von Hauptenergieträgern wie Erdöl, Erdgas oder Steinkohle ein großes Problem dar. Zwar wurden in der nördlichen Ägäis Erdöl- und Erdgasvorkommen entdeckt, aber die Nutzung bringt finanzielle, politische und technische Probleme mit sich. Unklar ist nämlich wer Anspruch auf die Vorkommen erheben darf, denn die Seehoheitsrechte geben nicht genau bekannt ob die Türkei oder Griechenland ein „geografisches“ Vorrecht darauf besitzt.

Was zur Folge hat, dass Energieträger aus dem Ausland importiert werden müssen. Das ist sehr teuer und bringt ein großes Defizit in der Handelsbilanz, welches auch nicht durch Exporte zu begleichen ist.

Der Import von teuren Energieträgern stellt einen großen Problemfaktor dar, denn es lässt das Handelsbilanzdefizit (Gegenüberstellung von Vermögen und Schulden eines Staates in einem Geschäftsjahr im Bereich Handel) wachsen.

 

Wenn man nun den tertiären Sektor betrachtet fällt auf, dass die Dienstleistungen 70 % zum BIP beitragen. Somit bildet es das Rückrad der griechischen Wirtschaft.

Die deviseneinbringenden Quellen sind Hilfsgelder aus dem Ausland (zum größten Teil aus Brüssel: 26 %), der Tourismus (17 %), Einnahmen durch die Schifffahrt (12 %) und durch den Handel. Früher waren es auch Gastarbeiterüberweisungen, die einen großen Teil zur Devisenbeschaffung beitrugen.

Auch Deutschland überwies jährlich bis 1986 große Summen Hilfsgelder an Griechenland. Ohne die Hilfsgelder hätte Griechenland sehr große Probleme finanziell auszukommen. Die größten Beträge kommen aus der Staatskasse Brüssels. In kein anderes Land hat die Europäische Union mehr Geld investiert als in Griechenland.

 

 

Jährlich besuchen 14 Millionen Touristen Griechenland. Die meisten kommen aus Europa. Damit erhält Griechenland als Reiseziel den 15. Platz weltweit.

Die Einnahmen durch den Tourismus belaufen sich auf ca. 9 Milliarden US $.

Der Bereich Tourismus trägt  10 % zum BIP bei.

Die Griechen, die sich schon früh im Dienstleistungssektor engagierten sind jetzt wohlhabende Menschen, denn man konnte schon in den 80er Jahren hohe Besucherzahlen zu verzeichnen.

Trotzdem ist der Tourismus kein Segen, denn die Umwelt wird extrem belastet. Die Folgen sind noch nicht absehbar.

 

In den letzten Jahren hat der Handel an Bedeutung gewonnen. Er trug im Jahr 2000 18, 5 % zum Bruttoinlandsprodukt bei.

Im Bereich Handel sind 13 % der Erwerbstätigen beschäftigt. Griechenland liegt damit sogar über dem EU-Durchschnitt.

 

Die Schifffahrt ist und war schon immer repräsentativ für Griechenland. Früher im Osmanischen Reih und heute in der griechischen Handelsflotte, die die größte in der EU ist (50 % der EU-Flotte).

Griechenland besitzt 3.618 Schiffe aller Typen. Dies entspricht 18,6 % der gesamten internationalen Seefahrt.

 

Bei diesen Zahlen wird schnell klar, dass die Deviseneinbringung sehr wichtig für die Wirtschaft Griechenlands ist.

 

 

4. Schlusssatz

 

Zum Schluss ist zu sagen, dass Griechenland aber auch verstecktes Potential hat.

Aufgrund seiner Geografie gibt es gute Möglichkeiten Sonnenenergie und Windkraft zur Energieerzeugung zu nutzen. Dies bietet sich vor allem auf den Inseln und im Norden des Landes an.

Im Zusammenwirken mit der EU könnte Griechenland versuchen mehr Struktur in ihre Wirtschaft zu bringen und im eigenen Land Kapitalbildung zu fördern.

 

Ich persönlich fand es sehr interessant mich mit der Wirtschaft eines Landes zu beschäftigen, von dem ich einen komplett anderen Eindruck hatte.

 

 

Anhang

5. Abbildungsverzeichnis

 

Diagramm 1

Die wichtigsten Handelspartner Griechenlands 2001

EINFUHREN aus:

%

AUSFUHREN nach:

%

Deutschland

13,8

Deutschland

11,2

Italien

12,7

Italien

8,4

Frankreich

6,6

Großbritannien

7,9

Niederlande

5,8

USA

5,5

Russland

5,8

Bulgarien

5,5

Großbritannien

4,6

Zypern

5,2

                  

                                                                            (Quelle: www.griechenlandaktuell.gr )

 

 

Diagramm 2

Die Anteile der Makrosektoren am Bruttoinlandsprodukt

7 % Landwirtschaft

23 % Industrie

70 % Dienstleistungen

                                                                                 

                                                                                  (Quelle: www.griechenland.gr )

 

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Letzte redaktionelle Aktualisierung 20.07.2008