Schullosung 2013: Gemeinsam auf den Weg machen, suchen und verändern
Griechenland
Griechenland
1. Einleitung
Wenn man von Griechenland hört, denkt man
sofort an Sonne, die weiß-blaue Inselwelt der Ägäis, die einzigartige
Landschaft. Aber auch an die Kunst und Wissenschaft, an Sagen Mythen, Tempel,
Götter und natürlich auch an den Ursprung der olympischen Idee.
Auch ich fuhr mit diesem Bild von Griechenland
im Kopf aus dem Urlaub wieder nach Hause. Als Tourist bekommt man selten einen
Einblick in die wirtschaftliche uns soziale Lage des Landes in dem man Urlaub
macht. Es ist für mich als ehemalige Griechenlandtouristin sehr interessant
gewesen hinter die Fassade zu sehen und mein Bild von Griechenland als sonnigen
Urlaubsort zu verändern.
Deshalb möchte ich mich in der folgenden
Belegarbeit mit der Wirtschaft Griechenlands beschäftigen.
Die bis 1989 amtierende Kulturministerin und
ehemalige Schauspielerin Melina Mercouri (1925-1994) schrieb in ihrer
Autobiografie:
„Als Grieche oder Griechin geboren zu sein ist
ein erhabener Fluch. Für erstaunlich viele Leute heißt dies offenbar, dass man
persönlich die Akropolis gebaut, Delphi gegründet, das Theater erschaffen und
den Begriff der Demokratie erfunden hat. In Wirklichkeit aber bedeutet es, dass
man arm ist, eine Menge Landsleute hat, die weder schreiben noch lesen können,
und dass einem das bisschen Demokratie und Unabhängigkeit, die man in seltenen
Augenblicken genießen durfte, alsbald von fremden Schutzmächten und ihren
griechischen Handlangern wieder weggeschnappt wurde.“
Griechenland liegt in Südosteuropa und grenzt
an die Länder Albanien, Makedonien, Bulgarien, die Türkei und wird im Osten
durch das Ägäische Meer und im Süden und Westen durch das Mittelmeer abgegrenzt.
Im Gradnetz liegt Griechenland zwischen 34˚48´
und 41˚45´ nördlicher Breite und zwischen 19˚23´und 29˚39´östlicher Länge.
Es hat eine Gesamtfläche von 131.957 km2
und wird von 10.591.000 Menschen bewohnt, von denen 772.072 in der
Hauptstadt Athen leben.
Griechenland wird in 13 Regionen
(Nordgriechenland, Thessalien, Makedonien, Thrakien Mittelgriechenland, Euböa,
Böotien, Phokis, Kokris, Ätolien, Südgriechenland, Kreta und die ägäischen
Inseln) und in die Mönchsrepublik Athos aufgeteilt.
Wichtige Merkmale der griechischen Landschaft
sind die hohen Gebirge, die Küstengliederung mit den langen Buchten und
Landzungen sowie die vor dem Festland liegenden Inselgruppen.
In Griechenland herrscht ein mediterranes
Klima, das mit zunehmender Entfernung zum Meer immer mehr unter kontinentalem
Einfluss steht. Merkmale des mediterranen Klimas sind trockene und heiße Sommer
und milde regenreiche Winter.
Auf dieses Klima stellt sich auch die
Pflanzenwelt ein. Besonders Baum- und Strauchkulturen treten auf, Grünland
dagegen ist vollständig zurückgetreten.
3. Griechenlands Wirtschaft
3.1 Entwicklung der Wirtschaft
Griechenland war früher die Brücke zwischen
Europa, Asien und Afrika, denn es lag günstig im östlichen Mittelmeer, dem
Zentrum der Antike. Und wurde so zum Mittler der Kulturströme des Orients.
Schon damals wurden die wirtschaftlichen
Strukturen des Landes durch die osmanische Zeit geprägt.
Schon im 17. Jahrhundert spielte Griechenland
im Handel des osmanischen Reiches eine wichtige Rolle.
Die deviseneinbringende Schifffahrt hatte eine
wichtige Rolle, denn ausländische Mächte bevorzugten die griechischen Händler
und Besitzer eines Schiffes und stellten sie in ihren Dienst. Viele Griechen
hatten sich, durch die jeweiligen Staaten begünstigt, niedergelassen und wurden
so zu Vermittlern von Waren und Dienstleistungen. Die Staaten versprachen sich
dadurch eine Erschließung zum Osmanischen Reich.
Schon hier zeigt sich, dass die griechischen
Händler nicht unbedingt danach strebten unabhängig zu sein, denn sie hatten
sichere Einnahmen und wurden unterstützt.
Ein Merkmal, das auch heute noch in der
griechischen Wirtschaft prägend ist.
In der Zeit der Zugehörigkeit zum Osmanischen
Reich war die Abhängigkeit Griechenlands schon merkbar, aber mit der
Unabhängigkeit ab 1829 verringerte sie sich nicht, sondern verstärkte sich
sogar.
So wurde schon damals der Grundstein für die
Unselbstständigkeit Griechenlands in wirtschaftlicher Entwicklung gelegt. Es
wurde nicht auf innerstaatliche Kapitalbildung geachtet, weil das benötigte Geld
zur Staatsführung immer von außen kam und so immer Hilfe da war.
Auch wurde die freiheitliche Wirtschaftsführung
durch außen gestärkt, denn nach dem zweiten Weltkrieg hatten England und die USA
einen starken Einfluss auf Griechenland und so konnte sich das liberale
Wirtschaftssystem wieder durchsetzen.
Seit Mitte der 70er Jahre geht die Wirtschaft
Griechenlands stetig bergab. Daran hat auch der Eintritt in die EU nichts
geändert.
Trotzdem haben sich die Infrastrukturen in den
letzten beiden Jahrzehnten deutlich verbessert, Straßen, Stromnetze und die
Wasserversorgung wurden erweitert.
Außerdem ist ein wachsender Wohlstand der
Bevölkerung unverkennbar. Das Angebot in den Läden ist reichhaltiger, es gibt
eine bessere Wohnraumversorgung und Konsumgüter wie Autos, Fernseher und
Haushaltsgeräte sind billiger geworden. Die Preise gleichen sich immer mehr dem
europäischen Standard an.
Das betrifft vor allem die mittleren und
niedrigeren Schichten, denn Konsumgüter sind zwar günstiger, aber im gleichen
Zuge wurden Dinge wie Fleisch, Brot, Heizöl oder Benzin teurer.
Griechenland ist immer noch im Wachstum und
entwickelt sich nur sehr langsam.
3.2 Die Makrosektoren und ihre Probleme
In den ersten Jahrzehnten nach der
Unabhängigkeit spielte die Landwirtschaft in Griechenland eine große Rolle.
Je nach Schätzung lebten ungefähr 62 % bis 90 %
der Einheimischen von der Landwirtschaft. Erstaunlich ist auch, dass in England
bereits 1846 nur noch ein Fünftel der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft
arbeiteten, während es in Griechenland 1981 knapp ein Drittel waren.
Sogar heute noch arbeiten ca. 18 % der
Erwerbstätigen im primären Sektor.
Im EU-Durchschnitt sind es lediglich 4,5 %.
Die Form der Landwirtschaft unterscheidet sich
jedoch wesentlich von den mittel- und westeuropäischen. Faktoren dafür sind das
Klima, die Verbrauchsgewohnheiten der Bevölkerung und andere in der besonderen
historischen Entwicklung entstandene Faktoren. Nicht nur die Produkte, sondern
auch für die Technik der Bewirtschaftung und die Organisation.
Etwa zwei Drittel der landwirtschaftlichen
Produkte machen Feld- und Baumfrüchte aus, ca. ein Drittel Viehprodukte.
Außerdem ist die griechische Agrarlandschaft
durch die „klassische Dreiheit“ gekennzeichnet. Dabei handelt es sich um
Getreide, Ölbaum und Wein. Pflanzen, die schon in der Antike angebaut wurden.
In der Viehwirtschaft ist oft nur Schaf- und
Ziegenhaltung möglich, denn auf den kargen Bergweiden gibt es nur wenig
Graswuchs.
Die Agrarprodukte machen einen großen Teil des
Gesamtexportes (35 %) aus und somit ist die Landwirtschaft sehr wichtig für
Griechenland.
In Griechenland sind im primären Sektor, sowie
im sekundären und tertiären, Kleinbetriebe häufiger vertreten als große private
Unternehmen.
Die Hälfte der arbeitenden Bevölkerung ist
selbstständig. Es kommen 174 Geschäfte auf 1000 Einwohner. Der EU-Durchschnitt
liegt bei 98 auf 1000 Einwohner.
Größtenteils fließen die Einnahmen in die
eigene Hosentasche, vorbei an der Registrierkasse. Den Griechen ist es wichtiger
die Familie über die Runden zu bringen. Hier aber fehlt der Gedanke an
Investitionen. Die Betriebe bleiben klein und mit höchstens zwei Angestellten
liegt Griechenland wieder einmal unter dem EU-Durchschnitt.
Einen Vorteil haben diese kleinen
Betriebsgrößen jedoch, denn in anderen europäischen Ländern nimmt der Staat z.B.
durch Preisfestlegungen Einfluss auf die landwirtschaftliche Entwicklung.
Die Industrie hat in Griechenland nie eine
bedeutende Rolle eingenommen.
Im sekundären Sektor sind heute lediglich 20 %
der Erwerbstätigen beschäftigt. Und die Industrie trägt 23 % zum
Bruttoinlandsprodukt bei (siehe Diagramm 2).
Das BIP (Bruttoinlandsprodukt) ist ein
zusammenfassendes Maß für den Wert der wirtschaftlichen Leistung die aus der
Produktionstätigkeit im Inland in der Berichtsperiode resultiert.
Die Industrie ist vor allem in den
verarbeitenden Gewerben vertreten. Dazu gehören die Bereiche Nahrungs- und
Genussmittel, Schuhe, Textilien, die Metallverarbeitung und der Schiffbau.
Die Textilverarbeitung spielt hier eine der
wichtigsten Rollen.
Der Grund für die sich schlecht entwickelnde
Industrialisierung liegt in der Struktur derselben, die Defizite aufweist.
Nicht wie in anderen europäischen Ländern sind
die einzelnen Industriezweige und Produktionsverläufe miteinander verbunden.
Wenn man zum Beispiel die Textilindustrie
betrachtet, sieht man, dass die einzelnen Abläufe einer Produktion nicht in
Griechenland stattfinden.
Die Stoffe werden von ausländischen
Auftraggebern geschickt, werden dann in Griechenland zum Endprodukt gefertigt
und anschließend wieder zurückgeschickt.
Es findet keine Produktion von Stoffen statt,
es werden keine Modelle entwickelt und auch die Vermarktung findet nicht in
Griechenland statt.
Außerdem überwiegenbillige un- und angelernte
Arbeitskräfte.
Somit ist auch die wirtschaftliche
Weiterentwicklung eines Produktes innerhalb eines Betriebes nicht möglich.
Es werden keine Erfahrungen gesammelt, da schon
kein Grundwissen der Wirtschaftsführung im produzierenden Sektor vorhanden ist.
Griechenland hätte auch finanzielle Probleme zu lösen, wenn es darum ginge die
Defizite zu bereinigen, denn Fachkräfte sind sehr teuer sowie technische
Hilfsmittel, die nicht vorhanden sind. So bleibt auch hier die gewohnte
Abhängigkeit zum Ausland bestehen.
Viele Politiker versuchten Griechenlands
finanzielle Lage zu stabilisieren, wie zum Beispiel Andreas Papandréou, der
Führer der sozialistischen Partei PASOK.
Papandréou scheiterte jedoch an den
Finanzproblemen als er versuchte die Ausgaben im öffentlichen Sektor zu senken
und das Handelsbilanzdefizit zu verringern. Sein Nachfolger Konstantin
Mitsotakis konnte sich nur eine Legislaturperiode halten. Es sind aber nicht
immer die unerfüllbaren Aufgaben, die die Politiker stellen, sondern oft auch
die Mentalität der Griechen, die es nicht zulassen wenn Themen, wie zum Beispiel
Schwarzarbeit, ihre Routine stören. Ebenso schnell wie die Politiker abgewählt
werden, werden auch die Probleme vergessen.
Aber in der Amtszeit Papandréous erhielt die
Wirtschaft einen bedeutenden Stellenwert, den sie bis heute behalten hat.
Die Bodenschätze in Griechenland wie z. B.
Braunkohle, Bauxit zur Aluminiumherstellung, Eisenerze, Mangan, Magnesit und
Marmor sind zwar zahlreich vorhanden, aber sie sind nicht sehr ergiebig.
Außerdem stellt auch das Fehlen von
Hauptenergieträgern wie Erdöl, Erdgas oder Steinkohle ein großes Problem dar.
Zwar wurden in der nördlichen Ägäis Erdöl- und Erdgasvorkommen entdeckt, aber
die Nutzung bringt finanzielle, politische und technische Probleme mit sich.
Unklar ist nämlich wer Anspruch auf die Vorkommen erheben darf, denn die
Seehoheitsrechte geben nicht genau bekannt ob die Türkei oder Griechenland ein
„geografisches“ Vorrecht darauf besitzt.
Was zur Folge hat, dass Energieträger aus dem
Ausland importiert werden müssen. Das ist sehr teuer und bringt ein großes
Defizit in der Handelsbilanz, welches auch nicht durch Exporte zu begleichen
ist.
Der Import von teuren Energieträgern stellt
einen großen Problemfaktor dar, denn es lässt das Handelsbilanzdefizit
(Gegenüberstellung von Vermögen und Schulden eines Staates in einem
Geschäftsjahr im Bereich Handel) wachsen.
Wenn man nun den tertiären Sektor betrachtet
fällt auf, dass die Dienstleistungen 70 % zum BIP beitragen. Somit bildet es das
Rückrad der griechischen Wirtschaft.
Die deviseneinbringenden Quellen sind
Hilfsgelder aus dem Ausland (zum größten Teil aus Brüssel: 26 %), der Tourismus
(17 %), Einnahmen durch die Schifffahrt (12 %) und durch den Handel. Früher
waren es auch Gastarbeiterüberweisungen, die einen großen Teil zur
Devisenbeschaffung beitrugen.
Auch Deutschland überwies jährlich bis 1986
große Summen Hilfsgelder an Griechenland. Ohne die Hilfsgelder hätte
Griechenland sehr große Probleme finanziell auszukommen. Die größten Beträge
kommen aus der Staatskasse Brüssels. In kein anderes Land hat die Europäische
Union mehr Geld investiert als in Griechenland.
Jährlich besuchen 14 Millionen Touristen
Griechenland. Die meisten kommen aus Europa. Damit erhält Griechenland als
Reiseziel den 15. Platz weltweit.
Die Einnahmen durch den Tourismus belaufen sich
auf ca. 9 Milliarden US $.
Der Bereich Tourismus trägt 10 % zum BIP bei.
Die Griechen, die sich schon früh im
Dienstleistungssektor engagierten sind jetzt wohlhabende Menschen, denn man
konnte schon in den 80er Jahren hohe Besucherzahlen zu verzeichnen.
Trotzdem ist der Tourismus kein Segen, denn die
Umwelt wird extrem belastet. Die Folgen sind noch nicht absehbar.
In den letzten Jahren hat der Handel an
Bedeutung gewonnen. Er trug im Jahr 2000 18, 5 % zum Bruttoinlandsprodukt bei.
Im Bereich Handel sind 13 % der Erwerbstätigen
beschäftigt. Griechenland liegt damit sogar über dem EU-Durchschnitt.
Die Schifffahrt ist und war schon immer
repräsentativ für Griechenland. Früher im Osmanischen Reih und heute in der
griechischen Handelsflotte, die die größte in der EU ist (50 % der EU-Flotte).
Griechenland besitzt 3.618 Schiffe aller Typen.
Dies entspricht 18,6 % der gesamten internationalen Seefahrt.
Bei diesen Zahlen wird schnell klar, dass die
Deviseneinbringung sehr wichtig für die Wirtschaft Griechenlands ist.
4. Schlusssatz
Zum Schluss ist zu sagen, dass Griechenland
aber auch verstecktes Potential hat.
Aufgrund seiner Geografie gibt es gute
Möglichkeiten Sonnenenergie und Windkraft zur Energieerzeugung zu nutzen. Dies
bietet sich vor allem auf den Inseln und im Norden des Landes an.
Im Zusammenwirken mit der EU könnte
Griechenland versuchen mehr Struktur in ihre Wirtschaft zu bringen und im
eigenen Land Kapitalbildung zu fördern.
Ich persönlich fand es sehr interessant mich
mit der Wirtschaft eines Landes zu beschäftigen, von dem ich einen komplett
anderen Eindruck hatte.