"Mailand oder Madrid - Hauptsachen Italien."

Dieser Ausspruch eines Spielers aus Deutschlands Weltmeisterelf von 1990 zeigt doch recht deutlich, dass oftmals recht unklare Vorstellungen von dem existieren, wo sich manche Dinge auf dem Globus befinden. Jedoch kann man das Zitat auch positiver lesen: Der Mann ahnte den folgenden europäi-schen Einigungsprozess visionär voraus. Anfang der 1990er Jahre bestand die Europäische Gemein-schaft noch aus zwölf Staaten. Nunmehr zählt die Europäische Union 27 Mitgliedsländer und weitere stehen auf der Warteliste. Innerhalb eines atemberaubend kurzen Zeitraumes hat sich die Struktur un-seres Kontinents nahezu vollkommen verändert.
Geografie ist ein ausgesprochen aktuelles lebendiges Fach. Es lebt Zeitgeschichte. Unsere Rahmen-lehrpläne und Lehrbücher können kaum mit dem spannenden und sich veränderndem Geschehen in der Welt mithalten. Globalisierung, Klimawandel, Rohstoffsicherung, Integration oder Flüchtlingsströme sind Ereignisse, die die rasanten Veränderungen auf den Kontinenten plakativ kennzeichnen. Aber auch nachhaltige Flächennutzung, Waldsterben oder Innenstadtsanierung regen als Prozesse des geo-grafischen Nahbereiches zum Nachdenken und vor allem zum Handeln an.

Der Geografieunterricht an unserer Schule möchte den Schülerinnen und Schülern in einer sich rasant verändernden Welt jene Kompetenzen mitgeben, die es ihnen ermöglichen, Erklärungen zu finden und Entscheidungen zu tref-fen. Wir als Fachlehrer verstehen daher unser Fach als ein sehr integratives Terrain, auf dem sich in besonderer Weise übergreifende Perspektiven zu den anderen Gesellschafts- und Naturwissenschaften ergeben. Natürlich auch deshalb erfreut sich das Fach Geografie an unserer Schule einer gewissen Beliebtheit.
Neben aller Kompetenzvermittlung erscheint es uns allerdings auch eine vordringliche Aufgabe zu sein, bei den Schülerinnen und Schülern die Neugier und die Freude zu wecken, andere Länder und Regio-nen mit all ihren Schönheiten und Problemen zu entdecken. Und sollten wir dazu etwas beitragen kön-nen, dann ist es uns doch nicht ganz gleichgültig ob Mailand oder Madrid.
Olrik Priesemuth